Mittwoch, 13. Juni 2012


Wenn „Heckler“ und „Koch“ ganze Arbeit leisten


In meinem Programm ist die Steigerungskurve deutlich erkennbar: Nach einer Woche Camp Spann und Marmal bin ich heute auf dem OP North angekommen, nahe der Stadt Baghlan, wo das Erdbeben war. Meinen ersten Hubschrauberflug mit der CH-53 habe ich gut überstanden. Die Tüte brauchte ich nicht. Mit einem Zwischenstopp in Kunduz sind wir auf dem OP (Outpost) angekommen. Wichtigster Unterschied zu allem bisher gesehenen: Das hier ist kein Feldlager, sondern eine Stellung. Das ist zum einen eine Logistikfrage, vor allem aber eine der Einstellung. „Hier wird gekämpft, hier wehren wir uns“, erklärt mir der stellvertretende Kommandeur beim Rundgang. 1 x 1 Kilometer ist der OP groß, 600 Höhenmeter sind zu bewältigen. Unten sitzen die Pioniere im Staub (bei Regen im Schlamm), oben verteilt fünf Kompanien und Stab. 650 Soldaten des Task Force Mes leben im OP, den es seit 2009 gibt. Im gesamten Lager herrscht strenges Alkoholverbot.

Ausblick aus der CH 53


Geschlafen wird hier im Vergleich zu Marmal oder Spann in Zelten mit Feldbetten. Die Soldaten der Task Force bleiben alle sechs Monate hier. Immer wieder gibt es hier Kamelspinnen und Skorpione, aber auch hier hat die Bundeswehr einen Plan entwickelt. Katze „Inge“ mit ihren Jungen „Heckler“ und „Koch“ (…) bekommt die gefangenen Spinnen, und dann gibt es kurzen Prozess.

Die Katzenjungen „Heckler“ und „Koch“ machen kurzen Prozess mit Kamelspinnen.

Weil die Task Force Mes mittlerweile auch mit schwerem Gerät in Räume vordringt, die die Aufständischen bislang für sich hatten, gibt es nun eine gewisse Aufruhr. Diese äußert sich durch den vermehrten Einsatz von versteckten Sprengsätzen, die bislang von der Task Force immer aufgeklärt werden konnten.

Von diesen Wachtürmen/Stellungen aus wird der OP North bewacht - unter anderem.


Knöcheltief Staub. Besonders toll, wenn gepanzerte Fahrzeuge vorbeifahren...

600 Höhenmeter hat das Lager.
Bei aller Freude über die interessanten Geschichten und spektakulären Fotomotive: Es bleibt ein Krisengebiet. Auch der „ruhige“ Norden. Heute habe ich erfahren, dass es in der Stadt, durch die ich vorgestern noch durchgelaufen bin, einen Anschlag gab. Ein Sprengsatz an einem abgestellten Fahrrad am Marktplatz explodierte, als ein Auto der afghanischen Polizei vorbeifuhr. Die fünf Polizisten wurden leicht verletzt, drei Zivilisten starben. Rund um den OP North wird derzeit vor Springsplitterminen gewarnt: Die springen beim Auslösen hoch und explodieren dann.

Ich "wohne" rechts am Abhang.

Ehrenmal für die drei erschossenen Soldaten, die vor einem Jahr auf dem OP von einem Afghanen erschossen wurden.

Im Tal schlängelt sich der Baghlan River.

Sonnenblume im Staub

Die dritte Kompanie hat ihre Zelte mitten im Berg.

Zum Erdbeben: Mittlerweile gibt es 81 Tote und 69 Vermisste. Temperatur: 40 Grad im Schatten, ein kühler Sommer. Normal sind 10 Grad mehr – mir soll´s recht sein.

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