Sonntag, 10. Juni 2012


 Kinder erziehen? Am besten mit Schlägen und Ruten...


Die Splitterschutzweste aufs Bett pfeffern, Schal ausziehen und meinen kleinen Schatz aufmachen: Das 250-Milliliter-Trinkpäcken „Chocolate flavoured milk“, das ich mir heut Morgen vom Frühstück mitgenommen habe – aaaaahhhhh, herrlich…

Immer noch in Camp Spann, sind wir heute zum Combat Outpost (COP) Chahar Bolak gefahren, etwa eine Stunde entfernt. Ziel war es dort eigentlich, eine Autopatrouille zusammen mit den Afghanen zu machen. Dann hieß es: Bei den Afghanen ist ein Fahrzeug ausgefallen, es findet gar nichts statt. Die Schweden im nahen Lager sagen zwar, sie hätten das Auto wieder repariert, aber dennoch: nichts bewegt sich. Dafür war eine CIMIC-Aktion (Geschenke verteilen, good will zeigen…) knapp zwei Kilometer vom COP, und die Afghanische Armee (ANA) ist zu Fuß rüber, um die Aktion abzusichern. Das wiederum hat die OMLT-Einheit, mit der ich unterwegs war, „gepartnert“. Die Sicherung der afghanischen Partner sah so aus, dass sich Teile der ANA im Schatten abgelegt hat. Das Verteilen, auch unter Federführung der ANA, gestaltete sich so, dass die Autoritätspersonen (Mullah, Lehrer…) Hefte, Mäppchen und Spielzeug nicht zu 100 Prozent paritätisch verteilt haben, um es milde auszudrücken… Der zuständige junge ANA-Soldat hat sich also sprichwörtlich das Heft aus der Hand nehmen lassen. Wenn die Kinder zu aufgeregt drängelten, setzte es Kopfschläge und Rutenstreiche. Alles in allem ein ziemliches Durcheinander, aus dem – laut Plan – Lehren gezogen werden sollen, die beim nächsten Mal umgesetzt werden.

Afghanische Soldaten verteilen Schulhefte und Spielzeug.

Und der Knirps hat auch einen Drachen ergattert.
Darauf, dass es beim nächsten Mal besser läuft, warten die Soldaten dieses OMLT-Kontingentes schon fünf Monate. Frustpegel: Sehr hoch. Baulicher Zustand des afghanischen COP: sehr schlecht. Prognose? „Nie wieder OMLT.“ Das sagt zumindest einer der Offiziere. Was gut für ihn ist: OMLT wird Mitte Juli wegrationalisiert. Aber durch eine neue Partnering-Einheit ersetzt. Die Übergabe der Verantwortung ist das Hauptziel von ISAF, so frustrierend es auch sein mag. Doch darüber, halt einfach seinen Job als Soldat zu machen, lässt sich von Deutschland aus leicht reden. Wer hier sieben Monate im Staub steht, schwitzt und friert, Fortschritte nur im Millimeterbereich sieht, kann sich kaum so lange motivieren. 

Skeptische Blick, gleich darauf war sie weg.

Wer es nicht erkennt: Das unter dem riesigen Sack ist ein kleiner Junge. Wie er das Gras tragen muss? Unbekannt.


Während die Hinfahrt zum COP von Spann recht locker lief, gab es auf der Rückfahrt eine Warnung, Aufständische würden auf unserer Strecke was planen. Die Anspannung der Soldaten auf dem Dingo war deutlich spürbar. Passiert ist dann zu Glück – nichts. So viel für heute. 

Mein Mittagessen im Combat Outpost der Afghanen: Bundeswehr-Hartkeks mit Nutella. Ein Traum.

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