Montag, 18. Juni 2012


Laue Nacht, gereizte Stimmung: Auf dem Dach des Checkpoints


Nachtrag zu gestern Abend:

Meinen gestrigen Abend habe ich erneut mit der zweiten Kompanie der Task Force Mes verbracht. Präsenz im Raum zeigen, Probleme aufklären, bevor sie eskalieren, das war das Ziel. Im Boxer ging es los, eng, stickig, ohne Sicht nach draußen. Aber (ziemlich) sicher gegen IEDs (improvisierte Sprengfallen).

Ausblick aus einem der Türme des COP. Die Wespen unter der Treppe fanden es nicht so cool, dass wir da hochgegangen sind...

Anderer Wachturm, ohne Wespen, dafür mit Stockbett. Bildmitte: Patronen und Fladenbrot.

Tee trinken auf dem Stockbett: Hauptmann B. kennt sich aus. Allzu trüben Tee zurückweisen, sonst Durchfall. Bin ich froh, dass ich mit einem Experten unterwegs war (wirklich).

Erstes Ziel war ein COP (Combat Outpost) rund 35 Kilometer entfernt, wo wir eine Zeit lang sehr präsent waren. Von außen betrachtet mag es lächerlich wirken, dass die Bundeswehr einen so großen Aufwand betreibt, um Tee zu trinken, EPA zu essen und Volleyball zu spielen. Letztendlich empfindet aber nicht nur der Kommandeur des Task Force Mes es als Riesenerfolg, dass es nicht mehr jedes Mal knallt, wenn sich die Deutschen in Bewegung setzen. Das war rund um Baghlan vor zwei Jahren noch ganz anders. Und damit das so auch so bleibt, gibt es diese täglichen Runden. Abwarten, Tee trinken – und Vertrauen generieren. Damit die Bevölkerung IEDs meldet und sie entschärft werden können. Schwer, zu vermitteln, wie wichtig diese „Teekränzchen“ sind. Ich versuch´s trotzdem :-)

Die Afghanen LIEBEN Volleyball - und manche Soldaten auch.

Abendstimmung auf dem COP - es könnte so schön sein am Hindukusch

 

Abfahrt zum Checkpoint: Die Boxer-Besatzung rödelt sich auf

Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir dann noch zu einem afghanischen Checkpoint gefahren: Außer der Fahrt (zwei Mann sind immer wieder abgesessen und haben zu Fuß nach IEDs unter Kanalrohren gesucht) war auch der Aufstieg zum Checkpoint abenteuerlich. Mit Splitterschutzweste, Helm, Kamera und Co ging es eine wackelige Treppe ohne Geländer nach oben – Ankunft Glückssache. Kompaniechef Hauptmann B. hat sich mit dem Checkpoint-Leader unterhalten, die Stimmung ist zum ersten Mal ein bisschen gekippt. Der Afghane behauptete, man habe ihm Material versprochen, Hauptmann B. bestritt dies vehement. Als dann auch noch Streitigkeiten/Animositäten mit einem Nachbarn zur Sprache kamen und Hauptmann B. daran festhielt, weiterhin mit beiden zusammenarbeiten zu wollen, war der Checkpoint-Chef doch recht ungehalten. Das alles in rabenschwarzer Nacht, auf dem Dach einer Bruchbude, umringt von Afghanen. Letztendlich ging alles gut. Zum Glück. 

Nachts am Checkpoint: Da oben steht einer

Da war die Stimmung noch gut: Hauptmann B., Dolmetscher und Checkpoint-Chef auf einem Gitterbett auf dem Dach

Auf dem Dach des Checkpoints: Gitterbett mit Fliegennetz


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