Sonntag, 10. Juni 2012


Ich hätte nie gedacht, dass ICH auch mal positives am Fußball entdecken kann, aber gestern war es soweit. Nicht nur, dass ich in aaaaller Ruhe in der Gemeinschaftsdusche duschen konnte. Auch hatte ich mal Zeit, ein paar minimal tiefgreifendere Gedanken festzuhalten, als dies bislang der Fall war. Weil ich aber dann doch zu faul war, aus meinem Container wieder raus zu den lieben Menschen zu gehen, die mich mit Internet versorgen (DANKE JUNGS!!!), nun erst jetzt meine Ergüsse. Bitte schön.

 

Was vom Tage übrig blieb

Den zweiten Abend beim Doppelkopf auf ganzer Linie verloren – mit schlechten Karten ist einfach kein Spiel zu machen. Es sei denn, man spielt mit einem starken Partner, der viele Trümpfe auf der Hand hat. Haben die Afghanen diesen starken Partner? Sicher, Deutschland ist eine große Industrienation, Exportweltmeister und so weiter – aber wie stark ist es, eine derartige Mission – ISAF – dreizehn Jahre nach Beginn fast gänzlich zu beenden? Haben sich die Verantwortlichen – unser aller Bundestagsabgeordnete – eigentlich vor der Zusage Gedanken über realistische Ziele gemacht? Darüber, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um „beruhigt“ abziehen zu können? Warum die Afghanen so zögerlich an die Verantwortung für ihr eigenes Land herangeführt worden sind und jetzt die Zeit langsam abläuft? Darüber, wie Soldaten sich selbst und Kommandeure den Familien den Tod der Gefallen rechtfertigen können?

Mathelehrer und Menschenrechte

 Was passiert nach dem Abzug – keiner kann das heute mit Gewissheit sagen. Schon heute ist die Frustrationsgrenze mancher Soldaten hier erreicht, weil die Afghanen so langsam den WAY OF LIFE annehmen wollen, den die Deutschen gern bei ihnen sehen würden. Dabei ist – zumindest hier beim OMLT auf Bataillonsebene – schon die Erkenntnis eingekehrt: Das, was in Germany richtig ist und funktioniert, muss am Hindukusch noch lange nicht klappen. Gegen die Afghanen geht es nicht. Manchmal müssen die Deutschen Operationen erstmal gegen die Wand fahren lassen, bis das afghanische Gegenüber checkt, dass es auch anders geht – und dabei ruhig bleiben. Die Deutschen müssen einsehen, dass Dinge hier uuuunglaublich lange dauern, auch zum 14. Mal fragen, ob der Landcruiser denn mittlerweile repariert worden ist - und dabei freundlich bleiben. Sehen, wie Menschenrechte immer wieder aufs Gröbste verletzt werden, und dennoch Sympathie für den Gegenüber entwickeln. Denn wenn zwei sich nicht leiden können, kann Wissenstransfer kaum stattfinden. Das war bei meinem Mathelehrer schon so und bei diesem stolzen Volk hier noch stärker der Fall. Geduld – keine originäre soldatische Tugend bei uns. 

Wenn die Angehörigen von toten und verletzten Soldaten, aber auch die Bürger unserer Demokratie, eines von unseren Politikern erwarten können, dann: die Ziele vor einem Auslandseinsatz klar definieren. Aus diesem Einsatz lernen und es beim nächsten besser machen. Oder?

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