Donnerstag, 7. Juni 2012

Schutzweste an, raus aus dem Lager

Raus aus dem Lager hieß es heute zum ersten Mal. Obwohl ich gestern beim Counter-IED-Training (Anschlags-Vorbeugung) noch gelernt habe: „Jede Fahrt ist eine Gefechtsfahrt“, lief es dann heute doch seeehr gelassen ab. Das ursprünglich mal amerikanische Camp Mike Spann eine knappe Stunde vom Camp Marmal entfernt war unser Ziel, und die Bundeswehr-Standartansage: „Wenn Sie versprengt werden…“ endete diesmal mit: „Dann nehmen Sie sich ein Taxi heim.“ War natürlich nur Spaß, so wie der Spaß in den letzten Tagen in keinem Fall zu kurz gekommen ist. Was daheim keiner verstehen kann: Auch die (wenigen) deutschen Soldaten, die wirklich häufig das Lager verlassen und wirklich ihr Leben riskieren, haben hier manchmal Spaß. Gut, wenn eine blonde, junge Journalistin kommt, vielleicht noch ein bisschen mehr.

Ein bisschen Spaß muss sein - isso


Die Splitterschutzweste, die mir die Bundeswehr leiht, stand erstmal in Größe XL auf meiner Stube. Wenn ich jetzt sage: Ich bin nicht die Dünnste und nun habe ich eine in M, die mir noch etwas weit ist, kann man sich vorstellen, wie es vorher aussah… Naja. Das Ding wiegt dennoch um die 14 Kilo (hab´s nicht genau gewogen), dazu Helm, Rucksack mit Laptop, Kamera, Ladekabeln, Ausrüstung für eine Woche, Schlafsack, Erste-Hilfe-Zeug – wenn ich was vergessen haben sollte: Egal. Ich kann eh nicht mehr tragen.

Diese Disneyland-Paläste gibt es jetzt vermehrt.
Die Fahrt im Dingo verlief gut. Von den Randbezirken Masar-i-Scharifs kann ich fast dasselbe Bild zeichnen wie 2009: Viele ärmliche Lehmbuden, einige Verkaufstände, arbeitende Kinder – und viele Knirpse, die uns mit Daumen hoch begrüßen und winken. Neu ist allerdings, dass viele Häuser jetzt Regenrinnen nach draußen haben. Und dass von diesen Disneyland-artigen Palästen in atemberaubender mintgrün-rosa-lachsfarben-Kombination (und vielen weiteren Möglichkeiten dieser Art) ein paar dazu gekommen sind.

Es ist Abend im Camp Spann.

Im Camp Spann habe ich ein paar erste Worte mit dem Kommandeur des Jägerregimentes, Oberst Schneider, wechseln können. Ein aufgeschlossener, erfahrener Soldat, der aus dem Ministerium wieder in den Staub gewechselt ist. Freiwillig, Herr Schneider? „Erstens: Mich kann man zu gar nichts zwingen und zweitens: Ich wäre auf nackten Füßen wieder nach Schwarzenborn (wo das Regiment stationiert ist) zurückgelaufen.“ OK. Schneider war schon mal Kommandeur in Schwarzenborn und ist ein richtiger Lokalpatriot.

Zu Gast bei GPPT, der deutschen Polizeimission in Masar-i-Scharif.
Vor der nun anstehenden Ochsentour durch Afghanistans Norden hab ich noch zwei Sachen geschafft: Erstens afghanische Waren bei den Lokal Traders im Camp kaufen und per Feldpost verschicken. Zweitens: Eine Polizistin aus Wiesbaden, die nun vier Monate in Masar.i.Scharif Afghanen angeleitet hat, interviewen. Und jetzt gilt: Feierabend.  

Mitbringsel von Camp Marmal: Terror-Schach (mit Merkel). Hab ich mir dann doch nicht gekauft...


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen