Freitag, 15. Juni 2012

Große Spinnen und Jogger mit der Waffe in der Hand


Jetzt habe ich die ominöse Kamelspinne auch mal live gesehen – wenn auch nur ein kleines Exemplar. Allerdings nicht in Aktion, sondern mit einer Desinfektionsspray-Dusche versehen tot auf dem Tisch liegend. Es gibt sie hier also, aber lebendig habe ich immer noch keine gesehen. Muss auch nicht sein.

Sind doch recht groß die Biester
Heute war Interviewtag, ein paar freundliche Menschen haben sich Fragen stellen lassen und dürfen sich dafür die nächsten Tage des Spottes ihrer Kameraden bewusst sein. Ein bisschen schizophren: Einerseits beklagen sich fast alle hier über das „freundliche Desinteresse“ der deutschen Bevölkerung an der Bundeswehr im Allgemeinen und den Einsätzen im Speziellen – aber wenn es darum geht, zumindest mit seinem Vornamen und einem Foto von sich in der Zeitung zu erscheinen, ist die Lust dann auch eher gering. Aber auch nicht bei allen: Viele sprechen hier frei heraus, berichten von Erfolgen, Frustration und Lagerkoller. Vom blöden Gefühl, dass sich einstellt, wenn man bei Patrouillen zu Fuß vor den gepanzerten Fahrzeugen herläuft und nach verstreckten Sprengladungen sucht. Dass es Soldaten gibt, die vor allem wegen Problemen daheim sich nicht mehr auf ihren Job konzentrieren können und ausgeflogen werden. Dass hier auf dem OP North zwar keine Langeweile aufkommt, aber bei einer Sieben-Tage-Woche, sechs Monate lang, ohne Privatsphäre, irgendwann auch mal der Geduldsfaden reißt.

HESSEN!!!!!

Was hier extrem ist: Weil der OP North offiziell immer noch als Stellung und nicht als Lager deklariert ist, muss die Waffe hier überall hin mitgenommen werden. Das heißt, es kommen einem abends junge Männer mit kurzen Hosen, T-Shirt und guter Laune entgegen, die wie selbstverständlich in die einen Hand einen Kaffeebecher und der anderen ihre Pistole tragen. Auch die vielen Jogger, die sich die 600 Höhenmeter durch den Staub quälen, haben in einer Hand ihre Waffe. Daran, dass die Uniformierten ihre Pistole immer dabei haben, hab ich mich schon gewöhnt. Waffe und Freizeitlook ist allerdings neu. Wenn mir in Hamburg einer mit der Knarre in der Hand locker entgegenkommen würde, würde ich auf jeden Fall erstmal die Luft anhalten…

Gern gehe ich dort entlang, wo die Katzenjungen "Heckler" und "Koch" sich aufhalten

Atemberaubend ist auch das Bergpanorama: Was im Camp Marmal schon toll aussieht, ist hier atemberaubend. Die samtenen Hügel, das grüne Tal, die lauen Abende – es könnte so schön sein. Nicht zum ersten Mal höre ich, wie schade es ist, dass man hier keinen Rucksacktourismus machen kann. Dem kann ich nur zustimmen.

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