Montag, 18. Juni 2012

"Echte Soldaten" vs. Camp Mallorca

Nachtrag heute Morgen: 
 
Meine Tage auf dem staubigen Hügel OP North sind vorbei: Gleich fliege ich wieder ins Camp Marmal. Von manchen wird Marmal hier, auf der einzigen „Stellung“ der Bundeswehr, auch Camp Mallorca genannt. Das mag vergleichsweise zutreffen, ganz fair ist es natürlich nicht. Schließlich halten die „Drinnies“ in Marmal den „Draußies“ hier eine Menge Schreibkram vom Leib. Dennoch: Das Leben in der Stellung geht mit vielen Entbehrungen einher. Schlafen im Zelt mit Feldbett statt im gepanzerten Container mit Bett. Mittags und einen Wochentag lang nur EPA statt Kantine. Die beiden Kampfkompanien fahren fast täglich raus und müssen ständig mit IED-Anschlägen (improvisierte Sprengladungen) rechnen.

Manche hier auf dem OP North wollen genau das: Hier dürfen sie noch „echte Soldaten“ sein, das anwenden, was sie ein Jahr intensiv geübt haben. Sie sehnen sich nach ein paar Tagen in Marmal, wieder zurück ins „echte“ Soldatenleben zu kommen. Andere hier haben die Schnauze gestrichen voll. Wenn sich andeutet, dass ihr „OUT“, die Heimreise, sich verzögert, liegen die Nerven blank.

Goodbuy, OP North. Eine grandiosere Aussicht hatte ich bei der Arbeit noch nie.
 Dass ich zu diesem Zeitpunkt, nachdem die meisten hier schon vier Monate im Einsatz sind, gekommen bin, ist nicht immer leicht. Viele sind mitten in diesem Loch, in das man nach zwei Dritteln des Einsatzes leicht fällt. Gewisse Routinen haben sich eingestellt, geknallt hat es (GOTT SEI DANK) noch nicht, und bis man wieder heimkommt, ist es doch noch ein paar Wochen hin. Es ist eine gefährliche Zeit, weil jetzt leicht Fehler passieren können. Es ist auch für mich nicht immer einfach, mit Leuten zu sprechen, die in Teilbereichen ganz schön frustriert sind. In den meisten Fällen ging es dann doch ganz gut, wenn man erstmal warm geworden ist. Natürlich habe ich auch vollstes Verständnis dafür, wenn Soldat X neben seiner Arbeit und dem eigenen Kampf mit Null Privatsphäre dann doch keinen Bock auf Journalisten hat. Letztendlich werbe ich aber auch für ein bisschen Verständnis: Sich einerseits über mangelndes Interesse für den Einsatz daheim beschweren, andererseits alle Journalisten scheiße finden, ist halt auch schwer. Zum Glück habe ich diese Extreme nur selten erlebt.

Kleiner Nachtrag noch: Vom Maingate des OP bis oben sind es wohl nun doch eher 100 statt 600 Höhenmeter, da hatte ich eine falsche Info. Nichtsdestotrotz: Von unten nach oben zu laufen, bei der Hitze, in diesen Staubwolken, ist echt anstrengend.

Nachtrag 2: Die Küche hier ist die beste, die ich bei der Bundeswehr je erlebt habe. Was es hier an frischem Obst und leckerem Essen gibt, und das in einer „Stellung“, ist wirklich WELTKLASSE! Vielen Dank dafür.

Nachtrag 3: Sorry, dass ich doch ein paar Katzenbilder hier gepostet hab. Ich weiß, dass sich die süßen Pussys mit den extrem harten, muskulösen Kerlen, von denen es hier eine Menge gibt, schlecht vertragen. Aber was Katzen angeht, bin ich einfach persönlich vorbelastet (habe selber welche). Seht es mir bitte nach :-)

1 Kommentar:

  1. sehr geehrte Frau Weigelt,

    erstmal ein dickes "DANKE SCHÖN" für die super Kritik unserer Küche auf dem OP. Ich selber durfte leider nicht allzu lange teil der Küchen-Piraten sein, spreche aber hiermit für alle, das wir sehr stolz auf die vielen Lobeshymnen sind. Ich bin jetzt seid zwei Tagen zurück in Deutschland und es stimmt irgendwie alles was sie über Rückkehrer-Probleme geschrieben haben (vorallem der erste Einkauf). Ich danke Ihnen vorallem auch dafür das sie so viel positive Seiten am Einsatz in Afgahnistan insbesondere auf dem OP gefunden haben. Mich lassen meine Eindrücke der letzten fünf Monate nicht mehr los und man vergleicht alle neuen/alten Eindrücke immer mit dem was man zuletzt erlebt hat. Danke für alles und viele grüße HH OB u. VpflMstr Küche OP-North

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