Sonntag, 24. Juni 2012

Danke für eure Mails!

So, und jetzt kommen wir an den Punkt, wo es für Journalisten ein bisschen tricky wird: Auf der einen Seite waren die letzten drei Wochen für mich natürlich Recherche. Auf der anderen Seite haben mir Leute Fragen beantwortet, von denen ich hinterher erfahren habe, dass sie darüber mit niemandem zuvor gesprochen haben. Dass wildfremde Menschen, 5000 Kilometer weg von daheim, langjährige Soldaten, mir einerseits so viel Vertrauen entgegenbringen, andererseits auch einfach ehrlich sind, rührt mich. Dennoch wird die Reportage, die ich morgen anfange, eine objektive sein. So gut es eben geht. Vieles sieht man eben mit anderen Augen, wenn man mal dabei war.

Danke für die vielen Mails, die ihr mir schreibt! Es geht mir gut und ich bin - fast wieder - komplett angekommen. Hier mal ein Auszug aus einer Antwort, die ich zurück nach Afghanistan geschickt habe:

Hier regnet es und ist kühl, stell dir vor: Es ist Sonntag und alle gehen hin! Keine Klimaanlagen, keine Uniformen, Betten, in die man sich einfach so legen kann, die Leute kucken blöd, wenn man raus geht und das Kopftuch aufzieht - es ist schon komisch. Menschen, die im Einkaufswagen BERGE von Waren auftürmen, sich aufregen, wenn es nur den normalen und nicht den Vanillie-Smarties-Joghurt gibt. Es ist wie immer, und bald bin ich auch wieder wie immer. Nur jetzt bin ich noch ein bisschen ein kleiner Zombie, ein kleines Kind mit großen Augen, erschöpft, morgens um 6 hellwach und nach all dem Erzählen und Zuhören der letzten Wochen seltsam still. Keine Sorge: Das wird nicht lange anhalten. Vielleicht kann man dieses Gefühl sogar ein bisschen... nicht genießen, aber zumindest bewusst wahrnehmen und sich in ein paar Monaten/Jahren immer mal wieder bewusst daran erinnern.

Back in Hamburch: Die Afghanistan-Tasche ist auch für Fritz-Kola und eine Tüte Kirschen optimal geeignet. Gruß von der Hafenfähre!


Eigentlich war dieser Blog vor allem als Reisetagebuch für meine Familie und Freunde daheim gedacht: Weil ich wusste, dass ich keine Zeit habe, alle Mails zu beantworten, und erst recht nicht am Telefon allzu rührselig sein wollte, dachte ich, dass wäre der einfacherer Weg. Dass auch so viele Mamas und Papas von Soldaten (außerdem Töchter, Frauen, Arbeitskollegen...) hier mitlesen, und ÜBERHAUPT so viele Menschen hier klicken, hat mich dann doch ein bisschen überrascht. Positiv! Danke auch, dass ihr das hier alle als das aufgefasst habt, was es ist: Eine Lose-Blattsammlung, eine subjektive Kollektion geballter Eindrücke, unter Zeitdruck aufgeschrieben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Danke möchte ich jetzt vor allem auch dieser Mama hier sagen, die mir dieses Kommentar geschickt hat:

Hallo Julia, danke für die sehr persönlichen Bilder von OP North. Hat gut getan, etwas aus dem Alltag der Truppe zu sehen aus Ihrer ganz persönlichen Sicht. Auch die Katzenbilder: grins!! denn die linke Streichelhand gehört meinem Sohn, der noch bis Ende Juli unten ist.ich habe mit ihm telefoniert, und bin so auf diesen Blog aufmerksam geworden. Gutes Eingewöhnen wünscht eine Mutter. 


Danke! Wenn Sie mal nach Hamburg kommen, lassen Sie uns einen Kaffee miteinander trinken!

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