Sonntag, 17. Juni 2012

 Keinen Bock auf offenen Brustkorb


Was hier, auf dem OP North oder vielleicht auch in Afghanistan generell so krass ist, ist die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ (danke Soziologiestudium). Bestes Beispiel dafür sind meine Zeltgenossen. Mit einem älteren Soldat habe ich abends, in den wenigen Minuten zwischen im Zelt ankommen und in Tiefschlaf fallen, immer ganz nette Gespräche. Übers Zelten generell, den Sternenhimmel und diese großen blauen Vögel, die ihre Höhlen hier in die Lehmhänge hauen. Wir necken uns auch immer ein bisschen über unsere unterschiedlichen Transportmittel. Während ich ja Hubschrauber fliege, was zu ungewollt verlängertem Aufenthalt führen kann, wenn Flüge gestrichen werden, bevorzugt er den Landmarsch. Also mit dem Auto zurück ins Camp Marmal, rund fünf Stunden von hier. „Da weiß ich wenigstens, dass ich ankomme“, waren seine Worte.

Smiley in die staubige Scheibe gemalt - gute Laune und ernste Lage wechseln sich nicht nur ab, sondern sind gleichzeitig vorhanden.

Nachdem ich jetzt ausnahmsweise mal eine Stunde Pause habe und im Zelt liege, lüftet sich auf einmal die Plane und eben jener Herr kommt rein. Abfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben, erfahre ich. Grund: Auf seiner Marschroute ist ein IED (versteckte Sprengladung) gefunden worden, gerade wird es entschärft. „Lieber ein bisschen warten, als mit geöffnetem Brustkorb ankommen“, waren seine Worte. Da hat er Recht.

Mittags gibts auf dem OP North nur EPA - hier eine "leckere Griesspeise", die sage und schreibe vier Jahre alt ist...

Heute war ich schon beim Start der kleinen Drohne LUNA dabei, mit sehr gut gelaunten Soldaten, die sich als die „LUNA-BOYS“ vorgestellt haben. Geht klar. Die Drohne kreist dann für ein paar Stunden über dem Gebiet hier und nimmt Bilder auf – von schönen und weniger schönen Sachen. Bis später!

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