Samstag, 14. April 2012

Hessische Jugendwelle in AFG

Da mach ich doch seit Wochen mal wieder normales Radio (also kein Internetradio) an, und was hör ich da? Auch die Hörfunk-Kollegen der hessischen Jugendwelle YOU FM sind in Afghanistan. Der junge Mann in Röhrenjeans hat mit Sicherheit Tocotronic als Style-Vorbild, und da muss man außer der Frisur natürlich auch im dünnen Hemdchen rumlaufen... Ob sich die Jungs Gedanken über Sandmücken, Leishmaniose und Co machen, ist bislang nicht überliefert. Spiegel Online hat dazu vor ein paar Jahren einen guten Text geschrieben.

Sassenroth unterwegs: kurzärmlig, ohne Splitterschutzbrille, ohne Impulsgehörschutz. Wird schon gut gehen... Foto: YOU FM








Eingebettet war Sassenroths Geschichte vom "ersten scharfen Schuss" in die Morgensendung von Extra-Frech-Moderator Rob Green. Thema der Sendung: Wann beginnt Fremdgehen. (...)

Bilder und Videos gibts hier, ziemlich versteckt auf der YOU FM-Seite. 


Donnerstag, 12. April 2012

Schon irgendwie süß... 


Liebe, Erfolg, Karriere, supi Vorgesetzte - alles dabei. OK - PR, aber doch irgendwie...süß... vor allem ihr Lächeln. Soviel sei als Zusammenfassung erlaubt. Die ganze Geschichte hier.

P.S.: Fast am SÜßESTEN ist die Bildunterschrift, original Bundeswehr. Ich kann mir nachgerade den etwas steifen, dem Bundeswehr-Slang verhafteten Typen vorstellen, der ob des Bildes DOCH ein bisschen angerührt ist und ALL seine Emotion in diese Zeile gelegt hat. Die Freude ist "ersichtlich" - vielen Dank für diese "zweckmäßige" BU. Die Freude ist ganz meinerseits :-)



Die Bundeswehr im Inneren? 

Für die meisten ist es ein Horror-Szenario: der Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Doch im Katastrophenfall kann das schnell passieren (siehe Oderhochwasser). Hier berichtet Oberstleutnant d.R. Harald Heusch, was Kreisverbindungskommandos eigentlich so machen. In der Hoffnung, dass sie nie wirklich gebraucht werden...

Quelle: Kinzigtal Nachrichten vom 12. April 2012

(öffnet sich mit ein bisschen Glück beim Anklicken *g*)

Dienstag, 10. April 2012

Vom kleinen Ochsenknecht und der großen Kluft

Es ist DER Aufreger, nicht nur unter den deutschen Soldaten derzeit: Ein Klamaukfilm über die Bundeswehr im Afghanistaneinsatz. Inklusive aufblasbarem Sexspielzeug, jeder Menge Alkohol und uuuuuuuunglaublich coolen Jungs in Uniformen. "Willkommen im Krieg" heißt dieser Schenkelklopfer, Untertitel: "Stop war, make fun". Einer der Ochsenknecht-Jungs gehört zu den Checkern, die früher im Bus immer in der letzten Reihe gesessen haben. Am besten gefällt mir das Bild dazu (gefunden bei Robert Sedlatzek- Müller ) :

                                                          Vergleich Film und Realität


Am besten finde ich dazu die Kritik des Grünen-Sicherheitsexperten Omid Nouripour hier : "Die Darstellung der Realität von Krieg ohne Banalisierung oder Heldenmalerei ist nie einfach. Die Komik des häufig Absurden darin zu entdecken, ohne dabei verharmlosend zu wirken, erst recht", schreibt Nouripour auf Spiegel Online. Das trifft es sehr gut. 

Immer wieder komische Situationen

Was mich bei meiner ersten Reise nach Afghanistan immer wieder überrascht hat, ist die schnoddrige Witzigkeit der Soldaten. Diese leben mitten im Einsatz, sie sind es, um die es geht, wenn wir Zivilisten und Journalisten hier urteilen und Kriegsberichterstattung betreiben. Sie erleben die Gefahren, sehen Blut, Verletzte, Tote - und doch ergeben sich immer wieder komische Situationen. So wie diese hier in einer Übungspause nahe des amerikanischen Camp Spanns nahe des deutschen Lagers Marmal:


                                                                                        "Smoking kills" -  Foto: Julia Weigelt


Oder auch das hier, gefunden in einem Stabsgebäude im Camp Marmal:


 "Entscheidungen treffen heißt Folgen tragen" - Foto: Julia Weigelt

 
Reißt Pro 7 jetzt Witze über Soldaten oder zieht der Sender die Bundeswehr/den Einsatz/die Opfer in den Schmutz? Intelligent ist diese Schenkelklopfer-Schmonzette jedenfalls nicht. Gut, das ist jetzt nicht so die größte Nachricht. Ein echter "Brüller" hingegen ist der Sendetermin: Zwei Jahre nach dem Karfreitagsgefecht in Isa Chel mit drei toten Deutschen. Gefechtsteilnehmer Frank Castle kommentiert auf Pro 7.de: "Also Sie denken allen ernstes, dass die Familien am Sterbetag ihr Kinder, Ehemänner, Väter und Geschwister vor dem TV sitzen und sich totlachen?"

Ich habe vor ein paar Wochen einen Vortrag von Hauptmann Jan-Henrik Schröder bei der Gesellschaft Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) gehört. Er war Chef der 1. Kompanie des Einsatzkontingents und hat unaufgeregt, aber eindringlich von seinen Erlebnissen berichtet. Das hat mich ganz schön mitgenommen.

Die Diskussion über "Willkommen im Krieg" zeigt vor allem eines - wie groß die Diskrepanz zwischen dem Erlebten der Soldaten einer Einsatzarmee einerseits und den Bürgern eines (vergleichsweise) friedlichen Deutschlandes andererseits ist. 

Donnerstag, 5. April 2012

Interessante Vorlieben


Zunächstmal: Versprochen. Auf die schwierige Vereinbarkeit von Embedded Journalism und kritischer Distanz werde ich noch weiter eingehen.

Heute habe ich aber etwas anderes gefunden. Es gibt ja Apps für die lustigsten Themen, aber natürlich auf für ernste Sachen. So informiert das Regional Command Southwest über seine Arbeit im Südwesten Afghanistans mit dieser App



Recht interessant daran sind gleich ein paar Sachen. 

  •  welche Rechte ich den Machern einräumen soll, inklusiveder Übermittlung meines genauen Standortes und dem Lesen meiner Kontaktdaten

 
  • die Vorliebe anderer Nutzer dieser App - zum Beispiel "Islamic Prayer Times" und dem "NuclearWatchDog", der deinen Standort lokalisiert und die Nuklearanlagen um dich herum.

Dienstag, 3. April 2012

Sehr allein - aber das bringt´s

Es gibt (mindestens) zwei Methoden, als Journalist über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zu berichten. Die eine: im Tross. Man begleitet den Außenminister, die Kanzlerin, den Entwicklungshilfe-Minister usw. zusammen mit vielen anderen Journalisten beim Truppenbesuch an den Hindukusch. Dann ist man umgeben von wichtigen Generälen, vielen Presseoffizieren und Vorzeigesoldaten. Das mag alles seine Berechtigung haben - mich interessiert eher die zweite Methode.

                                           Im Camp Marmal mit Blick auf den Flughafen. 


Die Allein-Methode. Die ist ein bisschen härter. Man ist hier nämlich richtig allein. Weit weg von daheim, ohne Journalisten-Kollegen, in deren Masse man ein bisschen mitschwimmen und untertauchen kann. Als blonde Frau im Camp Marmal mit seinen rund 3500, hauptsächlich männlichen Soldaten. Als Zivilistin. Ohne Uniform durch diese endlosen, eintönigen Barackenreihen zu laufen - nichts könnte auffälliger sein. Je nachdem, wem man - vor allem nach Dienstschluss - so begegnet, kassiert man auch mal ein paar flotte Sprüche. Bei mir hielt es sich während meiner letzten Afghanistan-Reise aber durchaus im Rahmen, und es hält mich ja auch keiner ab, ein paar Texte nachzuschieben.

Vertrauen und Verständnis - und ein Dilemma


OK, das sind die Herausforderungen. Aber was bringt das alles? Antwort: Genau das, was ich suche. Die Geschichten, die einem keiner erzählt, wenn noch 30 Menschen im Pulk um einen stehen. Die Geschichten, die Zeit brauchen. Und Vertrauen. Vertrauen entsteht, wenn die Journalistin (so weit wie möglich) den Tagesablauf der Soldaten teilt. Und Verständnis aufbringt. Verständnis kann sich - trotz umfangreicher Vorabrecherche im sicheren Deutschland nur dann entwickeln, wenn man im Fuchs mitfährt, das gleiche Essen der Truppenküche isst, seine Familie genauso vermisst - und hofft, dass sich die Daheimgebliebenen nicht völlig das Hirn zermatern vor Sorge.

Die Geschichten, die ich gehört habe, waren manchmal nur schwer zu ertragen. Dass sich auch höhere Dienstgrade mit gegenüber geöffnet haben, teils sehr kritisch ihrem Dienstherrn gegenüber - das war ein echter Vertrauensbeweis. Die Soldaten, die ich kennengelernt habe, freuten sich über das Interesse an ihrem Job. Nach einem grundsätzlich eher misstrauischen Kennenlernen haben mir viele über ihre Erfahrungen berichtet. Auch als junge Journalistin ernstgenommen zu werden, tut gut. Bei allem gegenseitigen Vertrauen - ich vertraue den Soldaten schließlich mein Leben an - entsteht allerdings ein neues Dilemma: die kritische Distanz zu wahren.

Montag, 2. April 2012

Es wird schon alles gut. Und wenn nicht?

 Obwohl der Abflug nach Afghanistan noch ein paar Wochen hin ist, gibt es doch fast täglich Organisatorisches zu regeln. Visum, Mitflugantrag und Haftungsfreistellung sind nur ein paar der Dokumente, die beantragt, ausgefüllt und verschickt werden müssen.

Eine andere Sache sind Papiere wie eine Vorsorge- und Betreuungsvollmacht, oder ein Testament. In mir gibt es eine gewisse Gleichzeitigkeit von Gefühlen, die so gar nicht zusammenpassen. Zum einen ist da die große Freude, wieder eine vielversprechende Geschichte angehen zu können und bis heute viele Hürden dafür genommen zu haben. Eine unumstößliche innere Gewissheit: Es geht alles gut. Und doch weiß ich, dass die Reise gefährlich ist. Aber heute schreib ich mein Testament noch nicht. Das passt nicht zu dem sonnigen Tag und der poppigen Lounge-Musik, die auf meinem Rechner läuft. Vielleicht morgen. Vielleicht nächste Woche. Der Füller bleibt ungeöffnet.