Montag, 2. Juli 2012

Nachbrenner


Heute kam noch diese Rückmeldung:

Sehr geehrte Frau Weigelt,

erstmal ein dickes "DANKE SCHÖN" für die super Kritik unserer Küche auf dem OP. Ich selber durfte leider nicht allzu lange teil der Küchen-Piraten sein, spreche aber hiermit für alle, das wir sehr stolz auf die vielen Lobeshymnen sind. Ich bin jetzt seid zwei Tagen zurück in Deutschland und es stimmt irgendwie alles was sie über Rückkehrer-Probleme geschrieben haben (vorallem der erste Einkauf). Ich danke Ihnen vorallem auch dafür das sie so viel positive Seiten am Einsatz in Afgahnistan insbesondere auf dem OP gefunden haben. Mich lassen meine Eindrücke der letzten fünf Monate nicht mehr los und man vergleicht alle neuen/alten Eindrücke immer mit dem was man zuletzt erlebt hat. Danke für alles und viele grüße HH OB u. VpflMstr Küche OP-North


Bleibt mir nur zu sagen: Ich habe zu danken - für dieses Hammer-Essen und eure gute Laune zu VÖLLIG unjournalistischen Uhrzeiten :-) Hoffentlich bekommt ihr so viel Lob, wie ihr verdient!

Samstag, 30. Juni 2012

FERTSCH


Liebe Leser,

das wars. Ich bin wieder da, alles hat gut geklappt, und die Reportagen nehmen langsam Form an.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die dieses Reisetagebuch angeschaut haben. Vor allem bei denen, die mich verbessert haben, aber natürlich auch bei denen, die mir Nettes geschrieben haben. Danke für´s Klicken!

Hier wird jetzt nicht mehr viel passieren, aber am Hindukusch passiert jeden Tag eine Menge. Leider viel Schreckliches, aber auch das eine oder andere, was Grund zur Hoffnung gibt. Um ehrlich zu sein, bin ich sogar mit ein bisschen mehr Hoffnung für dieses Land nach Hause gefahren, als ich vorher im Gepäck hatte.

Allen unter euch, die hier in der Mittagspause immer mal reingeklickt haben, empfehle ich ein spannendes Alternativprogramm: Beim Bendler-Blog von Sascha, dem Afghanistan-Blog von Boris, Augen geradeaus von Thomas Wiegold oder ganz einfach bei Google News mit dem Stichwort Afghanistan findet ihr jeden Tag neue Infos.

Alles Gute wünsche ich den Soldaten, die mir einen Einblick in ihren Alltag erlaubt haben und für die es nun bald wieder heim geht. Danke und kommt gut an!


Abendstimmung auf dem OP North

Sonntag, 24. Juni 2012

Danke für eure Mails!

So, und jetzt kommen wir an den Punkt, wo es für Journalisten ein bisschen tricky wird: Auf der einen Seite waren die letzten drei Wochen für mich natürlich Recherche. Auf der anderen Seite haben mir Leute Fragen beantwortet, von denen ich hinterher erfahren habe, dass sie darüber mit niemandem zuvor gesprochen haben. Dass wildfremde Menschen, 5000 Kilometer weg von daheim, langjährige Soldaten, mir einerseits so viel Vertrauen entgegenbringen, andererseits auch einfach ehrlich sind, rührt mich. Dennoch wird die Reportage, die ich morgen anfange, eine objektive sein. So gut es eben geht. Vieles sieht man eben mit anderen Augen, wenn man mal dabei war.

Danke für die vielen Mails, die ihr mir schreibt! Es geht mir gut und ich bin - fast wieder - komplett angekommen. Hier mal ein Auszug aus einer Antwort, die ich zurück nach Afghanistan geschickt habe:

Hier regnet es und ist kühl, stell dir vor: Es ist Sonntag und alle gehen hin! Keine Klimaanlagen, keine Uniformen, Betten, in die man sich einfach so legen kann, die Leute kucken blöd, wenn man raus geht und das Kopftuch aufzieht - es ist schon komisch. Menschen, die im Einkaufswagen BERGE von Waren auftürmen, sich aufregen, wenn es nur den normalen und nicht den Vanillie-Smarties-Joghurt gibt. Es ist wie immer, und bald bin ich auch wieder wie immer. Nur jetzt bin ich noch ein bisschen ein kleiner Zombie, ein kleines Kind mit großen Augen, erschöpft, morgens um 6 hellwach und nach all dem Erzählen und Zuhören der letzten Wochen seltsam still. Keine Sorge: Das wird nicht lange anhalten. Vielleicht kann man dieses Gefühl sogar ein bisschen... nicht genießen, aber zumindest bewusst wahrnehmen und sich in ein paar Monaten/Jahren immer mal wieder bewusst daran erinnern.

Back in Hamburch: Die Afghanistan-Tasche ist auch für Fritz-Kola und eine Tüte Kirschen optimal geeignet. Gruß von der Hafenfähre!


Eigentlich war dieser Blog vor allem als Reisetagebuch für meine Familie und Freunde daheim gedacht: Weil ich wusste, dass ich keine Zeit habe, alle Mails zu beantworten, und erst recht nicht am Telefon allzu rührselig sein wollte, dachte ich, dass wäre der einfacherer Weg. Dass auch so viele Mamas und Papas von Soldaten (außerdem Töchter, Frauen, Arbeitskollegen...) hier mitlesen, und ÜBERHAUPT so viele Menschen hier klicken, hat mich dann doch ein bisschen überrascht. Positiv! Danke auch, dass ihr das hier alle als das aufgefasst habt, was es ist: Eine Lose-Blattsammlung, eine subjektive Kollektion geballter Eindrücke, unter Zeitdruck aufgeschrieben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Danke möchte ich jetzt vor allem auch dieser Mama hier sagen, die mir dieses Kommentar geschickt hat:

Hallo Julia, danke für die sehr persönlichen Bilder von OP North. Hat gut getan, etwas aus dem Alltag der Truppe zu sehen aus Ihrer ganz persönlichen Sicht. Auch die Katzenbilder: grins!! denn die linke Streichelhand gehört meinem Sohn, der noch bis Ende Juli unten ist.ich habe mit ihm telefoniert, und bin so auf diesen Blog aufmerksam geworden. Gutes Eingewöhnen wünscht eine Mutter. 


Danke! Wenn Sie mal nach Hamburg kommen, lassen Sie uns einen Kaffee miteinander trinken!

Freitag, 22. Juni 2012

Was dieser Blog ist - und was nicht


Hamburg hat mich wieder - ich habe ganz vergessen, wie schön es hier ist.

Für eine größere Zusammenfassung ist es noch zu frisch, aber dies möchte ich nach einem Gespräch gestern jetzt noch mal ganz deutlich unterstreichen:

DAS HIER ist ein Blog. Ein Blog ist ein "auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem der Blogger Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt. Der Herausgeber oder Blogger steht, anders als etwa bei Netzzeitungen, als wesentlicher Autor über dem Inhalt, und häufig sind die Beiträge aus der Ich-Perspektive geschrieben. Das Blog bildet ein für Autor und Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen." (Quelle: Wikipedia)

DAS HIER IST NICHT die Artikel-Serie, die später in der Zeitung stehen wird.

HIER geht es NUR um mich, denn es ist MEIN Reistagebuch. Ein anderer würde es völlig anders schreiben, weil er es völlig anders erlebt.

IN DEN ARTIKELN in der Zeitung geht es ÜBERHAUPT NICHT um mich, sondern um die Zusammenarbeit deutscher und afghanischer Sicherheitskräfte.

DIESER BLOG ist mit extrem heißer Nadel gestrickt worden: Vom gepanzerten Fahrzeug runter, Splitterschutzweste aus, kurz die persönlichen Gedanken und Eindrücke niedergeschrieben, schlafen, nächster Tag. Deswegen fehlt hier auch immer mal ein Wort. Deswegen muss dies hier auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Und deswegen gibt es hier auch eine Kommentarfunktion, die nicht nur für Lob gedacht ist und auch schon für Kritik genutzt wurde - danke dafür!

Ich bitte Sie alle: Sehen Sie diesen Blog als genau das, was er ist. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

So, und jetzt gehe ich schlafen.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Nach Hause mit der AWACS und noch ein Promi

I´m coming home - insch´allah. Heute ist der Tag der Abreise, so Gott will. Flugplanung in Verbindung mit Sandstürmen, Überfluggenehmigungen und Maschinenschaden ist hier so eine Sache. Es haben Leute schon zwei Wochen auf einen freien Platz im Flieger gewartet. Ich sollte eigentlich auch gestern raus, aber nun wird es (wohl) heute Abend. Statt den normalen Weg über Termez und Köln zu nehmen, ist  doch spontan ein Flug mit einer AWACS-Maschine geworden. Jetzt hab ich schon ein paar Flieggeräte durch :-) Mal sehen, wie es da drin so ist... Und mal sehen, wie ich dann nachts um 3 von Geilenkirchen nach Hamburg komme. Egal, Hauptsache erstmal in Deutschland. 


Wer gestern übrigens auch noch hier zu Gast war, ist HIER zu sehen. Nach Kurt Krömer nun der zweite Promi in kurzer Zeit. Langweilig wird es (mir zumindest) hier echt nicht.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Kleine Vorspeise für den nächsten Beitrag: Wer mal RICHTIG gute Afghanistan-Fotos sehen will, klickt hier

Haben Sich schon immer mal gefragt, warum viele Soldaten dieses Land irgendwann mal als Rucksacktouristen bereisen wollen? Das ist ein Teil der Antwort.

Dienstag, 19. Juni 2012

Hier trifft sich die Welt - bei Vanilla Chai Latte


Meine Reise an den Hindukusch neigt sich langsam dem Ende zu. Die erste Nacht in einem richtigen Bett im Camp Marmal und einer Tür, die diese Kamelspinnen einfach draußen hält, war traumhaft. Ich weiß, dass sollte nicht der wichtigste Punkt in Sachen OP North sein, aber Jungs (und Mädels): SECHS MONATE auf dem Feldbett pennen muss grauenhaft sein. Durchhalten!

Heute war ich hier im Camp Marmal bei Radio Andernach, dem Truppenbetreuungssender, und hab gleich eine Bekannte wiedergetroffen. Genau wie vor meinem Abflug zum OP in der Kantine hier in Marmal: 4700 Menschen sind in diesem Lager, und wer sitzt mir gegenüber? Mein früherer Klassenkamerad Christoph. Jetzt Hauptmann. Viele Grüße, wenn du das liest! :-)

Batches, die Journalisten und Soldaten verbinden, Teil 1: "Akzeptieren ist einfacher als verstehen"


NATÜRLICH ist auch Polizist Gunnar wieder vor Ort, mit dem ich früher schon mal eine Geschichte gemacht habe. Irgendwie haben wir es nie geschafft, damals in Fulda, wo wir fünf Kilometer auseinander gewohnt haben, einen Kaffee zu trinken. Dafür haben wir das jetzt nachgeholt. Denn mit knapp 3700 Amis ist im Camp SELBSTREDEND auch ein Starbucks eingezogen, der hier Green Beans heißt. Wieder so ein typisches Camp Marmal-"Problem", mit dem sich die Bewohner des staubigen Hügels OP North nicht rumschlagen müssen: Nehme ich meinen iced frappochino tripple shot decaf in medium, tall oder grande?! Aber die Milch bitte laktosefrei... (Ironie off).

Übrigens: Kunduz muss nicht mehr lange darben, hier kehrt die Dekadenz im Krisengebiet auch bald ein (KLICK MICH).

Was soll´s: Akzeptieren ist einfacher als verstehen. Einer von VIELEN großartigen Bundeswehrsprüchen, die ich hier wieder auffrische oder teils sogar neue lerne - hätte nicht gedacht, dass das noch geht nach der Vorausbildung (gell, Roland...?! *g*) 

Batches, die Journalisten und Soldaten verbinden, Teil 2: "Einmal mit Profis arbeiten - nur FÜNF Minuten"

Montag, 18. Juni 2012

Gewusst und trotzdem verbockt - sorry!


So, jetzt isses passiert. Es ist wirklich lustig, dass man vorher über Sachen spricht, die man dann selber verbockt. Vor dem Abflug, am Helipad des OP North, habe ich mich noch mit erfahrenen Soldaten über ihre Heimkehr-Erfahrungen ausgetauscht. Bei mir war es 2009 so, dass ich erstmal wie ein Zombie durch Supermärkte gelaufen bin und mich gefragt habe, WOFÜR um alles in der Welt man eigentlich 300 Sorten Käse und 500 verschiedene Joghurts braucht. Meine Gesprächspartner haben nach der Heimkehr erstmal ihre Uniform gar nicht ausziehen wollen - nach sechs Monaten immer in der selben Klamotte mutet es reichlich sonderbar an, jetzt was ohne Flecktarn anzuziehen. Andere haben nach ihrer Waffe gesucht, als sie das Haus verlassen wollten. Oder sich hinter parkende Autos gestellt und darauf gewartet, dass jemand den Befehl zum Abmarsch gibt. Andere haben Ärger über Kleinigkeiten an ihrer Familie ausgelassen. Jetzt simmer am Punkt.

Kein schöner Flug


Ich bin heute ja wie gesagt mit dem Heli vom OP North zurück zum Camp Marmal geflogen. Den Flug hin mit der CH 53 habe ich fast gar nicht gemerkt. Zurück ging es mit einer Chinook der Amis, von der alle sagen, dass es noch entspannter sei als mit der CH 53, mit der ich rein kam. War aber nicht so. Obwohl das Ding keinen Konturenflug macht, hat es sich so angefühlt, als würde einer beim Autofahren immer mal kurz aufs Gas gehen, dann wieder runter, dann wieder Gas... Resultat: Nach der Rundreise über Kunduz, Pol-e-Khomri und noch ein paar Örtchen hatte ich ein sehr breites Gefühl des Unwohlseins all over my body. Dazu kamen ein paar Kleinigkeiten: Mein Rückflug ist mehrmals verschoben worden, sodass ich jetzt zwei Zugtickets in die Tonne kloppen kann. Die Zeit bis zu meinem Hochzeitstermin wird ein bisschen knapper, was den Bräutigam nicht sehr amüsiert. Dann komme ich am Flughafen in Marmal an und meine Abholer verspäten sich. Nachdem ich hätte SCHWÖREN können, dass der nächste Stopp nach diesem Flug (bei Bullenhitze, klatschnass geschwitzt mit Weste, Helm und allem Gepäck) meine Unterkunft ist, geht´s direkt zum Mittagessen. Huaaaaa!

Meine Laune kurz nach Ankunft in Marmal. Leider ziemlich unberechtigt, aber ISSO
 Bevor nun alle über das Prinzesschen aufheulen, dass sich über Kinkerlitzchen beklagt: ALL diese Punkte sind normalerweise kein Problem. Dass etwa Flüge hier dauernd gestrichen werden, ist völlig normal, mir bewusst und absolut in Ordnung. Aber: Auch, wenn ich immer noch in Afghanistan bin, den gefährlichsten Teil der Reise habe ich doch mit der Ankunft in Marmal hinter mir gelassen. Die Anspannung, auch wenn sie nicht immer im Vordergrund stand, fällt ab. Die Teile, die ich für meine Serie brauche, habe ich im Sack. Zwei Wochen Dauer-Erklären, Dauer-Fragenausdenken-die-einmalig-auf-der-Welt-sind, Dauer-Rechtfertigen für andere Journalisten-Kollegen, Dauer-Super-Betont-Freundlichsein vor allem mit Afghanen, weil das nun mal hier so ist - das schlaucht einfach. Ich hatte ein super Programm, ein bisschen Glück und viel guten Willen von allen Seiten, und die armen, unschuldigen Menschen, die hier meinetwegen viel Papierkram haben und Man-Power stellen müssen, kriegen es ab.

Conclusio: 
  1. Wissen darüber, dass es suboptimal ist, Stress an anderen auszulassen, und sei es durch Stoffeligkeit, hält einen nicht davon ab, es doch zu tun
  2. Zwei Wochen einen Aufpasser/Presseoffizier ständig um sich zu haben, ist gewöhnungsbedürftig. Obwohl er nur seinen Job macht, der sicher auch nötig ist, kostet die Zusammenarbeit beide Seiten immer mal wieder Nerven
  3. Der Umgang mit zur Knappheit erzogenem Militär darf nicht dazu verführen, in eine allzu rationale Sprache zu verfallen. 
  4. Wer aus dem Einsatz kommt, sollte erstmal ein paar Tage nicht ernst genommen werden, vor allem, was das Gefühlsleben angeht
  5. Probleme offen ansprechen und jedes Mal ein Stück daraus lernen ist die Lösung allen Übels - wenn es nur immer so einfach wäre
In diesem Sinne: Melde mich ab. Gute Nacht. 

Der Flug in diesem Hubschrauber - hier beim Tanken in Kunduz - hat mich heute nicht allzu sehr erfrischt.

"Echte Soldaten" vs. Camp Mallorca

Nachtrag heute Morgen: 
 
Meine Tage auf dem staubigen Hügel OP North sind vorbei: Gleich fliege ich wieder ins Camp Marmal. Von manchen wird Marmal hier, auf der einzigen „Stellung“ der Bundeswehr, auch Camp Mallorca genannt. Das mag vergleichsweise zutreffen, ganz fair ist es natürlich nicht. Schließlich halten die „Drinnies“ in Marmal den „Draußies“ hier eine Menge Schreibkram vom Leib. Dennoch: Das Leben in der Stellung geht mit vielen Entbehrungen einher. Schlafen im Zelt mit Feldbett statt im gepanzerten Container mit Bett. Mittags und einen Wochentag lang nur EPA statt Kantine. Die beiden Kampfkompanien fahren fast täglich raus und müssen ständig mit IED-Anschlägen (improvisierte Sprengladungen) rechnen.

Manche hier auf dem OP North wollen genau das: Hier dürfen sie noch „echte Soldaten“ sein, das anwenden, was sie ein Jahr intensiv geübt haben. Sie sehnen sich nach ein paar Tagen in Marmal, wieder zurück ins „echte“ Soldatenleben zu kommen. Andere hier haben die Schnauze gestrichen voll. Wenn sich andeutet, dass ihr „OUT“, die Heimreise, sich verzögert, liegen die Nerven blank.

Goodbuy, OP North. Eine grandiosere Aussicht hatte ich bei der Arbeit noch nie.
 Dass ich zu diesem Zeitpunkt, nachdem die meisten hier schon vier Monate im Einsatz sind, gekommen bin, ist nicht immer leicht. Viele sind mitten in diesem Loch, in das man nach zwei Dritteln des Einsatzes leicht fällt. Gewisse Routinen haben sich eingestellt, geknallt hat es (GOTT SEI DANK) noch nicht, und bis man wieder heimkommt, ist es doch noch ein paar Wochen hin. Es ist eine gefährliche Zeit, weil jetzt leicht Fehler passieren können. Es ist auch für mich nicht immer einfach, mit Leuten zu sprechen, die in Teilbereichen ganz schön frustriert sind. In den meisten Fällen ging es dann doch ganz gut, wenn man erstmal warm geworden ist. Natürlich habe ich auch vollstes Verständnis dafür, wenn Soldat X neben seiner Arbeit und dem eigenen Kampf mit Null Privatsphäre dann doch keinen Bock auf Journalisten hat. Letztendlich werbe ich aber auch für ein bisschen Verständnis: Sich einerseits über mangelndes Interesse für den Einsatz daheim beschweren, andererseits alle Journalisten scheiße finden, ist halt auch schwer. Zum Glück habe ich diese Extreme nur selten erlebt.

Kleiner Nachtrag noch: Vom Maingate des OP bis oben sind es wohl nun doch eher 100 statt 600 Höhenmeter, da hatte ich eine falsche Info. Nichtsdestotrotz: Von unten nach oben zu laufen, bei der Hitze, in diesen Staubwolken, ist echt anstrengend.

Nachtrag 2: Die Küche hier ist die beste, die ich bei der Bundeswehr je erlebt habe. Was es hier an frischem Obst und leckerem Essen gibt, und das in einer „Stellung“, ist wirklich WELTKLASSE! Vielen Dank dafür.

Nachtrag 3: Sorry, dass ich doch ein paar Katzenbilder hier gepostet hab. Ich weiß, dass sich die süßen Pussys mit den extrem harten, muskulösen Kerlen, von denen es hier eine Menge gibt, schlecht vertragen. Aber was Katzen angeht, bin ich einfach persönlich vorbelastet (habe selber welche). Seht es mir bitte nach :-)

Laue Nacht, gereizte Stimmung: Auf dem Dach des Checkpoints


Nachtrag zu gestern Abend:

Meinen gestrigen Abend habe ich erneut mit der zweiten Kompanie der Task Force Mes verbracht. Präsenz im Raum zeigen, Probleme aufklären, bevor sie eskalieren, das war das Ziel. Im Boxer ging es los, eng, stickig, ohne Sicht nach draußen. Aber (ziemlich) sicher gegen IEDs (improvisierte Sprengfallen).

Ausblick aus einem der Türme des COP. Die Wespen unter der Treppe fanden es nicht so cool, dass wir da hochgegangen sind...

Anderer Wachturm, ohne Wespen, dafür mit Stockbett. Bildmitte: Patronen und Fladenbrot.

Tee trinken auf dem Stockbett: Hauptmann B. kennt sich aus. Allzu trüben Tee zurückweisen, sonst Durchfall. Bin ich froh, dass ich mit einem Experten unterwegs war (wirklich).

Erstes Ziel war ein COP (Combat Outpost) rund 35 Kilometer entfernt, wo wir eine Zeit lang sehr präsent waren. Von außen betrachtet mag es lächerlich wirken, dass die Bundeswehr einen so großen Aufwand betreibt, um Tee zu trinken, EPA zu essen und Volleyball zu spielen. Letztendlich empfindet aber nicht nur der Kommandeur des Task Force Mes es als Riesenerfolg, dass es nicht mehr jedes Mal knallt, wenn sich die Deutschen in Bewegung setzen. Das war rund um Baghlan vor zwei Jahren noch ganz anders. Und damit das so auch so bleibt, gibt es diese täglichen Runden. Abwarten, Tee trinken – und Vertrauen generieren. Damit die Bevölkerung IEDs meldet und sie entschärft werden können. Schwer, zu vermitteln, wie wichtig diese „Teekränzchen“ sind. Ich versuch´s trotzdem :-)

Die Afghanen LIEBEN Volleyball - und manche Soldaten auch.

Abendstimmung auf dem COP - es könnte so schön sein am Hindukusch

 

Abfahrt zum Checkpoint: Die Boxer-Besatzung rödelt sich auf

Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir dann noch zu einem afghanischen Checkpoint gefahren: Außer der Fahrt (zwei Mann sind immer wieder abgesessen und haben zu Fuß nach IEDs unter Kanalrohren gesucht) war auch der Aufstieg zum Checkpoint abenteuerlich. Mit Splitterschutzweste, Helm, Kamera und Co ging es eine wackelige Treppe ohne Geländer nach oben – Ankunft Glückssache. Kompaniechef Hauptmann B. hat sich mit dem Checkpoint-Leader unterhalten, die Stimmung ist zum ersten Mal ein bisschen gekippt. Der Afghane behauptete, man habe ihm Material versprochen, Hauptmann B. bestritt dies vehement. Als dann auch noch Streitigkeiten/Animositäten mit einem Nachbarn zur Sprache kamen und Hauptmann B. daran festhielt, weiterhin mit beiden zusammenarbeiten zu wollen, war der Checkpoint-Chef doch recht ungehalten. Das alles in rabenschwarzer Nacht, auf dem Dach einer Bruchbude, umringt von Afghanen. Letztendlich ging alles gut. Zum Glück. 

Nachts am Checkpoint: Da oben steht einer

Da war die Stimmung noch gut: Hauptmann B., Dolmetscher und Checkpoint-Chef auf einem Gitterbett auf dem Dach

Auf dem Dach des Checkpoints: Gitterbett mit Fliegennetz


Was von meiner Reise 2009 übrig bleibt

 Bevor es hier weitergeht, eine kurze Werbeunterbrechung: Die Promo-Maschinerie für Arne Jyschs Grafic Novel "Wave and Smile"  (Carlsen Verlag) läuft auf Hochtouren. Danke Arne, dass du mich immer so schön als Quelle angibst :-) Deswegen hier ein paar Links für alle, die mehr wissen wollen von dem Typen, der meine Fotos von Afghanistan 2009 als Grundlage für seinen Comic genommen hat (die Story hat allerdings nix mit mir zu tun...)

Fotos: Carlsen / Arne Jysch


Arte hat dieses Filmchen dazu gemacht

Und die Deutsche Welle hat ihre Afghanistan-Expertin dazu befragt

Das ZDF hat das hier dazu gemacht

Der Tagesspiegel brachte das hier

Arne Jysch      Foto: privat

Lieber Arne, viel Erfolg mit deinem Projekt! Und vielleicht gehen ja auch ein paar Exemplare per Feldpost nach Masar-i-Scharif, ins Camp Spann oder zum OP North? Ab dem 2.7. hier zu bestellen. Ich drück dir die Daumen!

Sonntag, 17. Juni 2012

 Keinen Bock auf offenen Brustkorb


Was hier, auf dem OP North oder vielleicht auch in Afghanistan generell so krass ist, ist die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ (danke Soziologiestudium). Bestes Beispiel dafür sind meine Zeltgenossen. Mit einem älteren Soldat habe ich abends, in den wenigen Minuten zwischen im Zelt ankommen und in Tiefschlaf fallen, immer ganz nette Gespräche. Übers Zelten generell, den Sternenhimmel und diese großen blauen Vögel, die ihre Höhlen hier in die Lehmhänge hauen. Wir necken uns auch immer ein bisschen über unsere unterschiedlichen Transportmittel. Während ich ja Hubschrauber fliege, was zu ungewollt verlängertem Aufenthalt führen kann, wenn Flüge gestrichen werden, bevorzugt er den Landmarsch. Also mit dem Auto zurück ins Camp Marmal, rund fünf Stunden von hier. „Da weiß ich wenigstens, dass ich ankomme“, waren seine Worte.

Smiley in die staubige Scheibe gemalt - gute Laune und ernste Lage wechseln sich nicht nur ab, sondern sind gleichzeitig vorhanden.

Nachdem ich jetzt ausnahmsweise mal eine Stunde Pause habe und im Zelt liege, lüftet sich auf einmal die Plane und eben jener Herr kommt rein. Abfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben, erfahre ich. Grund: Auf seiner Marschroute ist ein IED (versteckte Sprengladung) gefunden worden, gerade wird es entschärft. „Lieber ein bisschen warten, als mit geöffnetem Brustkorb ankommen“, waren seine Worte. Da hat er Recht.

Mittags gibts auf dem OP North nur EPA - hier eine "leckere Griesspeise", die sage und schreibe vier Jahre alt ist...

Heute war ich schon beim Start der kleinen Drohne LUNA dabei, mit sehr gut gelaunten Soldaten, die sich als die „LUNA-BOYS“ vorgestellt haben. Geht klar. Die Drohne kreist dann für ein paar Stunden über dem Gebiet hier und nimmt Bilder auf – von schönen und weniger schönen Sachen. Bis später!

Samstag, 16. Juni 2012

Minensucher - mit der Spitzhacke auf der Suche


Stellen Sie sich mal für einen Augenblick folgende Situation vor: Sie sind der Chef von ein paar Männern, deren Aufgabe es ist, vor Autos herzulaufen und Minen zu finden. Drei Jungs, bewaffnet mit Metalldetektoren und Spitzhacke, laufen durch Afghanistan vor den geschützten Fahrzeugen, durch ein Gebiet, in dem Aufständische sehr wahrscheinlich Sprengsätze eingegraben haben. Und Sie sind der Chef, nicht verantwortlich für den Krieg, nicht für die Minen, aber für die Männer. Männer, die im übrigen glaubhaft versichern, ihren Beruf gern zu machen, auch Bock auf Nervenkitzel zu haben, den Wettkampf lieben, immer ein bisschen


Afganische Armee I: Der Aufgang zur..Dachterrasse?

Afganische Armee II: Das Bad

besser als der Aufständische Bombenleger zu sein. Sie mögen ein abgeklärter, cooler Hund sein, der den Job selbst jahrelang gemacht hat. Aber Sie sind dran, wenn es nach dem großen Peng mit Todesfolge darum geht: Hätte man das vermeiden können? Vielleicht fragt Sie sogar Ihre Frau: „Sag mal, wie gehst du eigentlich mit dieser Verantwortung um?“ Und Sie haben keine Antwort. Weil das nämlich ein bisschen schwieriger ist, als die Frage zu beantworten: „Wie kannst du nur Terroristen erschießen?“ Da kann man kurz und bündig erklären, dass ein Mensch, der einem ans Leder wollte, sein Recht auf Leben verwirkt hat. Aber als Chef der Minenräumer?

Afganische Armee III: Besichtigung des Klassenzimmers. Tische und Bänke? Gibt´s nur in kaputt.

Afganische Soldaten, im Hintergrund ein Wachturm des OP North


Ich habe die Pioniere, bei denen diese Jungs angesiedelt sind, heute besucht. Hier im OP North haben sie ihre Zeltstadt ganz unten am Hügel, dort, wo kein Lüftchen weht. Im Winter stehen sie knöcheltief im Schlamm, im Sommer im Staub. Haben einen tollen Minenbergepanzer, den sie nicht einsetzen können, weil die Straßen hier zu schmal dafür sind. Bezeichnen ihre Behausung gern als „Handgranatenwurfstand“, weil das von außerhalb des Lagers schon mal möglich ist. Haben zwar Spaß an ihrer Arbeit, wissen aber auch gleichzeitig, dass sie sich keinen Fehler erlauben können. Journalisten sagen gern: „Wenn einen Fehler machen, steht er am nächsten Tag in der Zeitung.“ Ich antworte darauf immer: „Wenn Ärzte einen Fehler machen, stirbt ein Mensch.“ Und was ist hier?

Der Kompaniechef der Pioniere mit einem afganischen Bauunternehmer bei der Vertragsausgestaltung - und ich, irgendwie sehen meine Augen auf dem Bild sonderbar klein aus.
Versteckte Minen, sogenannte IEDs, bleiben das Hauptproblem in Afghanistan, nicht nur für die Bundeswehr. Der EOD, die Abteilung der Pioniere, die für´s Suchen und Entschärfen/Zerstören dieser Dinger zuständig ist, bleiben unverzichtbar. Erstaunlicherweise (Ironie off) gibt es hier gewisse Nachwuchsprobleme, sodass die Wenigen, die das Können und Wollen, häufig in den Einsatz gehen. Haben Sie sich schon mal überlegt, wie jemand eine Lebensversicherung findet, die ihn mit dem Job aufnimmt? Wollen Sie die Frau eines Mannes sein, der IEDs sucht? Und daran auch noch Spaß hat? Ganz normal ist das alles nicht. Aber Gott sei Dank gibt es sie – sicher ein Thema für eine neue Reise.

Nebenbei waren wir mit dem Chef der Pionierkompanie auch noch in der Kompanie der Afghanischen Armee, die direkt am Main Gate des OP North stationiert ist. Aus diesem Gebäude kam vor einem Jahr auch der afghanische Soldat, der hier drei Deutsche erschossen hat.

P.S.: Morgen gibt es wahrscheinlich keinen Eintrag, weil ich ein straffes Programm habe – also nicht wundern.


Abendgrüße aus dem OP North

Freitag, 15. Juni 2012

Große Spinnen und Jogger mit der Waffe in der Hand


Jetzt habe ich die ominöse Kamelspinne auch mal live gesehen – wenn auch nur ein kleines Exemplar. Allerdings nicht in Aktion, sondern mit einer Desinfektionsspray-Dusche versehen tot auf dem Tisch liegend. Es gibt sie hier also, aber lebendig habe ich immer noch keine gesehen. Muss auch nicht sein.

Sind doch recht groß die Biester
Heute war Interviewtag, ein paar freundliche Menschen haben sich Fragen stellen lassen und dürfen sich dafür die nächsten Tage des Spottes ihrer Kameraden bewusst sein. Ein bisschen schizophren: Einerseits beklagen sich fast alle hier über das „freundliche Desinteresse“ der deutschen Bevölkerung an der Bundeswehr im Allgemeinen und den Einsätzen im Speziellen – aber wenn es darum geht, zumindest mit seinem Vornamen und einem Foto von sich in der Zeitung zu erscheinen, ist die Lust dann auch eher gering. Aber auch nicht bei allen: Viele sprechen hier frei heraus, berichten von Erfolgen, Frustration und Lagerkoller. Vom blöden Gefühl, dass sich einstellt, wenn man bei Patrouillen zu Fuß vor den gepanzerten Fahrzeugen herläuft und nach verstreckten Sprengladungen sucht. Dass es Soldaten gibt, die vor allem wegen Problemen daheim sich nicht mehr auf ihren Job konzentrieren können und ausgeflogen werden. Dass hier auf dem OP North zwar keine Langeweile aufkommt, aber bei einer Sieben-Tage-Woche, sechs Monate lang, ohne Privatsphäre, irgendwann auch mal der Geduldsfaden reißt.

HESSEN!!!!!

Was hier extrem ist: Weil der OP North offiziell immer noch als Stellung und nicht als Lager deklariert ist, muss die Waffe hier überall hin mitgenommen werden. Das heißt, es kommen einem abends junge Männer mit kurzen Hosen, T-Shirt und guter Laune entgegen, die wie selbstverständlich in die einen Hand einen Kaffeebecher und der anderen ihre Pistole tragen. Auch die vielen Jogger, die sich die 600 Höhenmeter durch den Staub quälen, haben in einer Hand ihre Waffe. Daran, dass die Uniformierten ihre Pistole immer dabei haben, hab ich mich schon gewöhnt. Waffe und Freizeitlook ist allerdings neu. Wenn mir in Hamburg einer mit der Knarre in der Hand locker entgegenkommen würde, würde ich auf jeden Fall erstmal die Luft anhalten…

Gern gehe ich dort entlang, wo die Katzenjungen "Heckler" und "Koch" sich aufhalten

Atemberaubend ist auch das Bergpanorama: Was im Camp Marmal schon toll aussieht, ist hier atemberaubend. Die samtenen Hügel, das grüne Tal, die lauen Abende – es könnte so schön sein. Nicht zum ersten Mal höre ich, wie schade es ist, dass man hier keinen Rucksacktourismus machen kann. Dem kann ich nur zustimmen.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Plötzlich war sie da, die Angst


Heute hatte ich zum ersten Mal richtig Angst. Ein Gefühl, an das ich mich kaum erinnern kann. Man kann es sich nicht aussuchen, wovor man sich fürchtet. Ich hatte keine Angst, von Afghanen in den Rücken geschossen zu werden, oder von einer Sprengfalle zerfetzt. Ich hatte Angst, hilflos zu ertrinken.

Die nächsten Tage bleibe im OP North, von manchen als „Front“ bezeichnet. Der Baghlan River trennt die Stellung der Bundeswehr (siehe Eintrag von gestern) von den Aufständischen. Es gibt zwar eine Brücke, die „Roman Bridge“, aber die Straße führt auch danach direkt am Fluss entlang und ist sehr eng. An einer Stelle kragte bis vor kurzem eine Felsnase von den Bergen auf die Straße, die sie auf der anderen Fahrbahnseite begrenzen. Diesen Überhang hat die Bundeswehr vor kurzem gesprengt, sodass die Soldaten nun auch mit ihren schweren, gepanzerten Fahrzeugen tiefer ins Land eindringen können.

Den rechten Berg sind wir rauf


Im hinteren Drittel des Bildes sieht man den einen COP, auf der anderen Seite der Berge ist ein weiterer, und wo ich stehe soll ein Dritter hin.

Der Baghlan River mäandert wunderschön. Hier setzen leider auch die Aufständischen über, um ihr Unwesen zu treiben.


Heute bin ich mit der zweiten Kompanie der Task Force Mes genau an dieser Stelle vorbeigefahren. Rechts und links unseres Boxers waren zehn Zentimeter Platz. Der Boxer ist das Nachfolgemodell des Schützenpanzers Marder. Innen sieht man nur über Bildschirme, und das auch nicht von den Plätzen ganz hinten, wo ich saß. Ein dunkles, enges Loch, in dem im hinteren Teil sieben Mann samt aller Munition, Waffen, Westen usw. sitzen. Es gibt hinten vier Luken, die der Fahrzeugkommandant beim Passieren der Felsnase befohlen hat zu öffnen  - falls wir in den Fluss gestürzt wären. Die Stimmung war ziemlich angespannt, schließlich sind schon mal drei Soldaten in einem Transportpanzer Fuchs ertrunken. Und das stelle ich mir, ohne dass das jetzt blöd klingen soll, noch schlimmer vor, als von einer Mine zerfetzt zu werden.

Die afghanische Armee (alle von links) sicherte mit ab. Ein Dolmetscher übersetzt zwischen Bundeswehr-Pionier und afghanischem Bauunternehmer.

Der Zug setzt sich wieder in Bewegung.

Die bewusste Felsnase...

Es ist ... eng...


Letztendlich ist alles gut gegangen, der Fahrer hat Nervenstärke bewiesen. Und auch der eigentliche Auftrag, den Bauplatz für einen neuen Combat Outpost (COP) der Afghanischen Armee zu erkunden, verlief gut. Dafür mussten wir zwar einen Berg hoch, und das mit Schutzweste und in glühender Mittagshitze, aber so kann ich auch wieder ein Bounty mehr essen…

Soviel in Kürze.  

Mittwoch, 13. Juni 2012

Wer sich übrigens fragt, was diese ominöse Kamelspinne eigentlich ist: Bitte schön (KLICK MICH)


Wenn „Heckler“ und „Koch“ ganze Arbeit leisten


In meinem Programm ist die Steigerungskurve deutlich erkennbar: Nach einer Woche Camp Spann und Marmal bin ich heute auf dem OP North angekommen, nahe der Stadt Baghlan, wo das Erdbeben war. Meinen ersten Hubschrauberflug mit der CH-53 habe ich gut überstanden. Die Tüte brauchte ich nicht. Mit einem Zwischenstopp in Kunduz sind wir auf dem OP (Outpost) angekommen. Wichtigster Unterschied zu allem bisher gesehenen: Das hier ist kein Feldlager, sondern eine Stellung. Das ist zum einen eine Logistikfrage, vor allem aber eine der Einstellung. „Hier wird gekämpft, hier wehren wir uns“, erklärt mir der stellvertretende Kommandeur beim Rundgang. 1 x 1 Kilometer ist der OP groß, 600 Höhenmeter sind zu bewältigen. Unten sitzen die Pioniere im Staub (bei Regen im Schlamm), oben verteilt fünf Kompanien und Stab. 650 Soldaten des Task Force Mes leben im OP, den es seit 2009 gibt. Im gesamten Lager herrscht strenges Alkoholverbot.

Ausblick aus der CH 53


Geschlafen wird hier im Vergleich zu Marmal oder Spann in Zelten mit Feldbetten. Die Soldaten der Task Force bleiben alle sechs Monate hier. Immer wieder gibt es hier Kamelspinnen und Skorpione, aber auch hier hat die Bundeswehr einen Plan entwickelt. Katze „Inge“ mit ihren Jungen „Heckler“ und „Koch“ (…) bekommt die gefangenen Spinnen, und dann gibt es kurzen Prozess.

Die Katzenjungen „Heckler“ und „Koch“ machen kurzen Prozess mit Kamelspinnen.

Weil die Task Force Mes mittlerweile auch mit schwerem Gerät in Räume vordringt, die die Aufständischen bislang für sich hatten, gibt es nun eine gewisse Aufruhr. Diese äußert sich durch den vermehrten Einsatz von versteckten Sprengsätzen, die bislang von der Task Force immer aufgeklärt werden konnten.

Von diesen Wachtürmen/Stellungen aus wird der OP North bewacht - unter anderem.


Knöcheltief Staub. Besonders toll, wenn gepanzerte Fahrzeuge vorbeifahren...

600 Höhenmeter hat das Lager.
Bei aller Freude über die interessanten Geschichten und spektakulären Fotomotive: Es bleibt ein Krisengebiet. Auch der „ruhige“ Norden. Heute habe ich erfahren, dass es in der Stadt, durch die ich vorgestern noch durchgelaufen bin, einen Anschlag gab. Ein Sprengsatz an einem abgestellten Fahrrad am Marktplatz explodierte, als ein Auto der afghanischen Polizei vorbeifuhr. Die fünf Polizisten wurden leicht verletzt, drei Zivilisten starben. Rund um den OP North wird derzeit vor Springsplitterminen gewarnt: Die springen beim Auslösen hoch und explodieren dann.

Ich "wohne" rechts am Abhang.

Ehrenmal für die drei erschossenen Soldaten, die vor einem Jahr auf dem OP von einem Afghanen erschossen wurden.

Im Tal schlängelt sich der Baghlan River.

Sonnenblume im Staub

Die dritte Kompanie hat ihre Zelte mitten im Berg.

Zum Erdbeben: Mittlerweile gibt es 81 Tote und 69 Vermisste. Temperatur: 40 Grad im Schatten, ein kühler Sommer. Normal sind 10 Grad mehr – mir soll´s recht sein.