Montag, 2. Juli 2012

Nachbrenner


Heute kam noch diese Rückmeldung:

Sehr geehrte Frau Weigelt,

erstmal ein dickes "DANKE SCHÖN" für die super Kritik unserer Küche auf dem OP. Ich selber durfte leider nicht allzu lange teil der Küchen-Piraten sein, spreche aber hiermit für alle, das wir sehr stolz auf die vielen Lobeshymnen sind. Ich bin jetzt seid zwei Tagen zurück in Deutschland und es stimmt irgendwie alles was sie über Rückkehrer-Probleme geschrieben haben (vorallem der erste Einkauf). Ich danke Ihnen vorallem auch dafür das sie so viel positive Seiten am Einsatz in Afgahnistan insbesondere auf dem OP gefunden haben. Mich lassen meine Eindrücke der letzten fünf Monate nicht mehr los und man vergleicht alle neuen/alten Eindrücke immer mit dem was man zuletzt erlebt hat. Danke für alles und viele grüße HH OB u. VpflMstr Küche OP-North


Bleibt mir nur zu sagen: Ich habe zu danken - für dieses Hammer-Essen und eure gute Laune zu VÖLLIG unjournalistischen Uhrzeiten :-) Hoffentlich bekommt ihr so viel Lob, wie ihr verdient!

Samstag, 30. Juni 2012

FERTSCH


Liebe Leser,

das wars. Ich bin wieder da, alles hat gut geklappt, und die Reportagen nehmen langsam Form an.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die dieses Reisetagebuch angeschaut haben. Vor allem bei denen, die mich verbessert haben, aber natürlich auch bei denen, die mir Nettes geschrieben haben. Danke für´s Klicken!

Hier wird jetzt nicht mehr viel passieren, aber am Hindukusch passiert jeden Tag eine Menge. Leider viel Schreckliches, aber auch das eine oder andere, was Grund zur Hoffnung gibt. Um ehrlich zu sein, bin ich sogar mit ein bisschen mehr Hoffnung für dieses Land nach Hause gefahren, als ich vorher im Gepäck hatte.

Allen unter euch, die hier in der Mittagspause immer mal reingeklickt haben, empfehle ich ein spannendes Alternativprogramm: Beim Bendler-Blog von Sascha, dem Afghanistan-Blog von Boris, Augen geradeaus von Thomas Wiegold oder ganz einfach bei Google News mit dem Stichwort Afghanistan findet ihr jeden Tag neue Infos.

Alles Gute wünsche ich den Soldaten, die mir einen Einblick in ihren Alltag erlaubt haben und für die es nun bald wieder heim geht. Danke und kommt gut an!


Abendstimmung auf dem OP North

Sonntag, 24. Juni 2012

Danke für eure Mails!

So, und jetzt kommen wir an den Punkt, wo es für Journalisten ein bisschen tricky wird: Auf der einen Seite waren die letzten drei Wochen für mich natürlich Recherche. Auf der anderen Seite haben mir Leute Fragen beantwortet, von denen ich hinterher erfahren habe, dass sie darüber mit niemandem zuvor gesprochen haben. Dass wildfremde Menschen, 5000 Kilometer weg von daheim, langjährige Soldaten, mir einerseits so viel Vertrauen entgegenbringen, andererseits auch einfach ehrlich sind, rührt mich. Dennoch wird die Reportage, die ich morgen anfange, eine objektive sein. So gut es eben geht. Vieles sieht man eben mit anderen Augen, wenn man mal dabei war.

Danke für die vielen Mails, die ihr mir schreibt! Es geht mir gut und ich bin - fast wieder - komplett angekommen. Hier mal ein Auszug aus einer Antwort, die ich zurück nach Afghanistan geschickt habe:

Hier regnet es und ist kühl, stell dir vor: Es ist Sonntag und alle gehen hin! Keine Klimaanlagen, keine Uniformen, Betten, in die man sich einfach so legen kann, die Leute kucken blöd, wenn man raus geht und das Kopftuch aufzieht - es ist schon komisch. Menschen, die im Einkaufswagen BERGE von Waren auftürmen, sich aufregen, wenn es nur den normalen und nicht den Vanillie-Smarties-Joghurt gibt. Es ist wie immer, und bald bin ich auch wieder wie immer. Nur jetzt bin ich noch ein bisschen ein kleiner Zombie, ein kleines Kind mit großen Augen, erschöpft, morgens um 6 hellwach und nach all dem Erzählen und Zuhören der letzten Wochen seltsam still. Keine Sorge: Das wird nicht lange anhalten. Vielleicht kann man dieses Gefühl sogar ein bisschen... nicht genießen, aber zumindest bewusst wahrnehmen und sich in ein paar Monaten/Jahren immer mal wieder bewusst daran erinnern.

Back in Hamburch: Die Afghanistan-Tasche ist auch für Fritz-Kola und eine Tüte Kirschen optimal geeignet. Gruß von der Hafenfähre!


Eigentlich war dieser Blog vor allem als Reisetagebuch für meine Familie und Freunde daheim gedacht: Weil ich wusste, dass ich keine Zeit habe, alle Mails zu beantworten, und erst recht nicht am Telefon allzu rührselig sein wollte, dachte ich, dass wäre der einfacherer Weg. Dass auch so viele Mamas und Papas von Soldaten (außerdem Töchter, Frauen, Arbeitskollegen...) hier mitlesen, und ÜBERHAUPT so viele Menschen hier klicken, hat mich dann doch ein bisschen überrascht. Positiv! Danke auch, dass ihr das hier alle als das aufgefasst habt, was es ist: Eine Lose-Blattsammlung, eine subjektive Kollektion geballter Eindrücke, unter Zeitdruck aufgeschrieben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Danke möchte ich jetzt vor allem auch dieser Mama hier sagen, die mir dieses Kommentar geschickt hat:

Hallo Julia, danke für die sehr persönlichen Bilder von OP North. Hat gut getan, etwas aus dem Alltag der Truppe zu sehen aus Ihrer ganz persönlichen Sicht. Auch die Katzenbilder: grins!! denn die linke Streichelhand gehört meinem Sohn, der noch bis Ende Juli unten ist.ich habe mit ihm telefoniert, und bin so auf diesen Blog aufmerksam geworden. Gutes Eingewöhnen wünscht eine Mutter. 


Danke! Wenn Sie mal nach Hamburg kommen, lassen Sie uns einen Kaffee miteinander trinken!

Freitag, 22. Juni 2012

Was dieser Blog ist - und was nicht


Hamburg hat mich wieder - ich habe ganz vergessen, wie schön es hier ist.

Für eine größere Zusammenfassung ist es noch zu frisch, aber dies möchte ich nach einem Gespräch gestern jetzt noch mal ganz deutlich unterstreichen:

DAS HIER ist ein Blog. Ein Blog ist ein "auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem der Blogger Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt. Der Herausgeber oder Blogger steht, anders als etwa bei Netzzeitungen, als wesentlicher Autor über dem Inhalt, und häufig sind die Beiträge aus der Ich-Perspektive geschrieben. Das Blog bildet ein für Autor und Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen." (Quelle: Wikipedia)

DAS HIER IST NICHT die Artikel-Serie, die später in der Zeitung stehen wird.

HIER geht es NUR um mich, denn es ist MEIN Reistagebuch. Ein anderer würde es völlig anders schreiben, weil er es völlig anders erlebt.

IN DEN ARTIKELN in der Zeitung geht es ÜBERHAUPT NICHT um mich, sondern um die Zusammenarbeit deutscher und afghanischer Sicherheitskräfte.

DIESER BLOG ist mit extrem heißer Nadel gestrickt worden: Vom gepanzerten Fahrzeug runter, Splitterschutzweste aus, kurz die persönlichen Gedanken und Eindrücke niedergeschrieben, schlafen, nächster Tag. Deswegen fehlt hier auch immer mal ein Wort. Deswegen muss dies hier auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Und deswegen gibt es hier auch eine Kommentarfunktion, die nicht nur für Lob gedacht ist und auch schon für Kritik genutzt wurde - danke dafür!

Ich bitte Sie alle: Sehen Sie diesen Blog als genau das, was er ist. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

So, und jetzt gehe ich schlafen.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Nach Hause mit der AWACS und noch ein Promi

I´m coming home - insch´allah. Heute ist der Tag der Abreise, so Gott will. Flugplanung in Verbindung mit Sandstürmen, Überfluggenehmigungen und Maschinenschaden ist hier so eine Sache. Es haben Leute schon zwei Wochen auf einen freien Platz im Flieger gewartet. Ich sollte eigentlich auch gestern raus, aber nun wird es (wohl) heute Abend. Statt den normalen Weg über Termez und Köln zu nehmen, ist  doch spontan ein Flug mit einer AWACS-Maschine geworden. Jetzt hab ich schon ein paar Flieggeräte durch :-) Mal sehen, wie es da drin so ist... Und mal sehen, wie ich dann nachts um 3 von Geilenkirchen nach Hamburg komme. Egal, Hauptsache erstmal in Deutschland. 


Wer gestern übrigens auch noch hier zu Gast war, ist HIER zu sehen. Nach Kurt Krömer nun der zweite Promi in kurzer Zeit. Langweilig wird es (mir zumindest) hier echt nicht.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Kleine Vorspeise für den nächsten Beitrag: Wer mal RICHTIG gute Afghanistan-Fotos sehen will, klickt hier

Haben Sich schon immer mal gefragt, warum viele Soldaten dieses Land irgendwann mal als Rucksacktouristen bereisen wollen? Das ist ein Teil der Antwort.

Dienstag, 19. Juni 2012

Hier trifft sich die Welt - bei Vanilla Chai Latte


Meine Reise an den Hindukusch neigt sich langsam dem Ende zu. Die erste Nacht in einem richtigen Bett im Camp Marmal und einer Tür, die diese Kamelspinnen einfach draußen hält, war traumhaft. Ich weiß, dass sollte nicht der wichtigste Punkt in Sachen OP North sein, aber Jungs (und Mädels): SECHS MONATE auf dem Feldbett pennen muss grauenhaft sein. Durchhalten!

Heute war ich hier im Camp Marmal bei Radio Andernach, dem Truppenbetreuungssender, und hab gleich eine Bekannte wiedergetroffen. Genau wie vor meinem Abflug zum OP in der Kantine hier in Marmal: 4700 Menschen sind in diesem Lager, und wer sitzt mir gegenüber? Mein früherer Klassenkamerad Christoph. Jetzt Hauptmann. Viele Grüße, wenn du das liest! :-)

Batches, die Journalisten und Soldaten verbinden, Teil 1: "Akzeptieren ist einfacher als verstehen"


NATÜRLICH ist auch Polizist Gunnar wieder vor Ort, mit dem ich früher schon mal eine Geschichte gemacht habe. Irgendwie haben wir es nie geschafft, damals in Fulda, wo wir fünf Kilometer auseinander gewohnt haben, einen Kaffee zu trinken. Dafür haben wir das jetzt nachgeholt. Denn mit knapp 3700 Amis ist im Camp SELBSTREDEND auch ein Starbucks eingezogen, der hier Green Beans heißt. Wieder so ein typisches Camp Marmal-"Problem", mit dem sich die Bewohner des staubigen Hügels OP North nicht rumschlagen müssen: Nehme ich meinen iced frappochino tripple shot decaf in medium, tall oder grande?! Aber die Milch bitte laktosefrei... (Ironie off).

Übrigens: Kunduz muss nicht mehr lange darben, hier kehrt die Dekadenz im Krisengebiet auch bald ein (KLICK MICH).

Was soll´s: Akzeptieren ist einfacher als verstehen. Einer von VIELEN großartigen Bundeswehrsprüchen, die ich hier wieder auffrische oder teils sogar neue lerne - hätte nicht gedacht, dass das noch geht nach der Vorausbildung (gell, Roland...?! *g*) 

Batches, die Journalisten und Soldaten verbinden, Teil 2: "Einmal mit Profis arbeiten - nur FÜNF Minuten"